Was steckt wirklich hinter CO₂-Bilanz, EPD und Öko-Labels?
Einleitung: Gute Absichten, viele Begriffe
Viele Unternehmen investieren heute in nachhaltige Produkte, Öko-Labels, EPDs und Klimaversprechen. Das ist eine gute Nachricht: Wer Zeit, Geld und Know-how in bessere Materialien, Produktionsprozesse und transparente Daten steckt, meint es in der Regel ernst.
Die Herausforderung beginnt dort, wo diese Anstrengungen kommuniziert werden sollen – und zwar nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Französisch oder in weiteren Sprachen. Begriffe wie klimaneutral, klimafreundlich, klimapositiv, CO₂-Fußabdruck, Umweltproduktdeklaration oder Öko-Label klingen überzeugend, werden aber in verschiedenen Märkten teilweise anders verstanden.
Dieses Spannungsfeld lässt sich nutzen: Wer Nachhaltigkeit klar und verständlich kommuniziert, stärkt Vertrauen – gerade auch international.
Siegel, Labels, Claims: Was Unternehmen damit erreichen wollen
Ob Bio-Siegel, EPD, FSC, Blauer Engel oder eigene Nachhaltigkeits-Claims:
Unternehmen verfolgen ähnliche Ziele:
- Vertrauen aufbauen: Kundschaft und Geschäftspartner sollen sehen, dass Umweltaspekte ernst genommen werden.
- Sich differenzieren: Das eigene Produkt soll sich von einer konventionellen Alternative positiv abheben.
- Komplexität reduzieren: Ein Label oder ein kurzer Claim soll auf einen Blick vermitteln, wofür das Produkt steht.
Damit das funktioniert, müssen Siegel und Aussagen gelesen und verstanden werden – nicht nur im Heimatmarkt, sondern auch dort, wo neue Kundschaft erreicht werden soll. Und genau hier spielt Sprache eine zentrale Rolle.
Wenn Deutsch auf Französisch trifft: typische Stolpersteine
Bei der Übertragung von Nachhaltigkeitskommunikation ins Französische tauchen immer wieder ähnliche Herausforderungen auf.
1. Labels sind nicht automatisch bekannt
Nicht jedes deutschsprachige oder europäische Label ist in der französischsprachigen Welt bekannt oder etabliert. Für viele Lesende bleibt es zunächst ein Logo mit Abkürzung.
Fragen, die sich stellen:
- Muss das Label erklärt werden?
- Gibt es im Zielmarkt vergleichbare Siegel, die genannt werden sollten?
- Reicht es, Name und Logo zu zeigen, oder braucht es einen kurzen Zusatz?
2. Direkte Übersetzungen klingen manchmal blass
Ein Claim, der auf Deutsch gut funktioniert, kann auf Französisch flach, überladen oder schwammig wirken, wenn er wörtlich übernommen wird.
Beispiele für knifflige Wörter:
- klimafreundlich
- ressourcenschonend
- nachhaltig produziert
- klimapositiv
Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt:
Welche Formulierung passt zur Tonalität der Marke?
Was ist in der französischen Fach- und Alltagssprache üblich und glaubwürdig?
3. Technische Daten und Marketing-Sprache müssen zusammenpassen
In vielen Unternehmen gibt es:
- technische Dokumente (z. B. EPDs, Datenblätter, ACV-Berichte)
- Marketingmaterial (Broschüren, Website, Produkttexte)
Wenn für die Kommunikation auf Französisch unterschiedliche Begriffe verwendet werden, kann der Eindruck entstehen, dass Daten und Story nicht zusammengehören. Konsistenz schafft hier Seriosität:
Wer in einem Dokument von déclaration environnementale de produit spricht und im anderen nur von éco-produit, lässt Potenzial liegen.
Sprache als Teil der Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit hat viele Dimensionen:
Ressourceneinsatz, Emissionen, Biodiversität, soziale Aspekte – und eben auch Kommunikation.
Klare Sprache ist nicht nur ein “Nice-to-have”, sondern Teil einer glaubwürdigen Nachhaltigkeitsstrategie:
- Sie zeigt, dass ein Unternehmen nichts verstecken muss.
- Sie hilft der Kundschaft, informierte Entscheidungen zu treffen.
- Sie reduziert die Gefahr, dass wohlmeinende Botschaften als Übertreibung oder Greenwashing wahrgenommen werden.
Dabei geht es nicht darum, jedes Wort endlos zu relativieren. Es geht darum, bewusst zu formulieren:
- Was sind harte Fakten (z. B. Werte aus einer EPD)?
- Wo werden Ziele formuliert (z. B. Netto-Null bis 2040)?
- Wo erzählt das Unternehmen seine Vision?
Wenn diese Ebenen sprachlich erkennbar bleiben, wird Kommunikation als ehrlich und einladend erlebt.
Drei praktische Tipps, damit Nachhaltigkeitsversprechen auch auf Französisch tragen
1. Aussagenebene klären, bevor übersetzt wird
Bevor ein Text in eine andere Sprache geht, hilft eine kurze interne Klärung:
- Handelt es sich um eine konkrete Leistung (Zertifikat, EPD, externe Prüfung)?
- Wird ein Ziel beschrieben, das noch nicht erreicht ist?
- Geht es eher um eine Haltung oder Vision?
Wenn klar ist, was genau gesagt werden soll, lässt sich im Französischen viel gezielter formulieren – ohne zu übertreiben und ohne zu verwässern.
2. Technische und kommunikative Sprache aufeinander abstimmen
Ideal ist, wenn:
- technische Teams,
- Nachhaltigkeitsverantwortliche,
- Marketing und Kommunikation
zusammen ein gemeinsames Vokabular entwickeln – und dieses dann auch in der Übersetzung verwendet wird.
Beispiele:
- Begriffe aus der EPD tauchen in angepasster Form auch in der Broschüre auf.
- CO₂-Werte werden nicht nur genannt, sondern kurz kontextualisiert.
- Labels werden einheitlich bezeichnet, nicht in jedem Dokument anders.
Hier kann eine professionelle Übersetzung unterstützen, indem sie Vorschläge macht, Begriffe harmonisiert und auf Inkonsistenzen hinweist.
3. Kultur und Erwartung der Zielmärkte mitdenken
Nachhaltigkeitskommunikation funktioniert nicht überall gleich.
In manchen Märkten wird eine eher zurückhaltende, technische Sprache geschätzt, in anderen erwartet man eine emotionalere Story.
Für den französischsprachigen Raum ist oft wichtig:
- dass Begriffe verständlich und konkret sind,
- dass technische Solidität und sprachliche Eleganz zusammenkommen,
- dass Versprechen nicht wie leere Schlagworte wirken.
Hier hilft es, mit Menschen zu arbeiten, die sowohl mit der Fachsprache der Nachhaltigkeit als auch mit der Zielsprache und Kultur vertraut sind.
Schluss: Klare Botschaften für ernstgemeinte Nachhaltigkeit
Wer in nachhaltige Produkte, Prozesse und Labels investiert, hat ein Interesse daran, dass diese Anstrengungen verstanden werden – nicht nur im eigenen Land, sondern auch in anderen Sprachräumen.
Gute Umweltkommunikation bedeutet:
- präzise Begriffe,
- stimmige Stories,
- und Übersetzungen, die nicht nur sprachlich korrekt, sondern auch fachlich und kulturell passend sind.
So werden aus reinen Schlagworten echte Botschaften – und aus nachhaltigen Produkten Angebote, die Menschen in unterschiedlichen Märkten nachvollziehen und schätzen können.